Entdeckung des Kautschuks
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Um 1700 lernte ein Jesuitenpater, der in einer Missionsstation am Rio Negro lebte, bei den Kambeba-Indianern einen weißen Saft kennen, der aus Bäumen gezapft und durch Räuchern zu Gummi verarbeitet wurde. Die Indianer nannten diesen Baum den "Caucho - weinender Baum". Sie stellten daraus Dinge für den Alltagsgebrauch, aber auch Spielzeug her. Der Pater weckte das Interesse von Kaufleuten an diesem wunderbaren Material und brachte damit eine Lawine ins Rollen, die nicht nur für die Region entscheidende Bedeutung erlangte, sondern für die gesamte Weltwirtschaft des 19.Jh. Als Goodyear 1840 die Vulkanisation entdeckte, wurde der "Hevea Brasiliensis" genannte Baum, plötzlich ein sehr begehrter Baum. Es fand sich heraus, dass er nur in Brasilien wuchs. Von 1870 an strömten Tausende von Bauern aus dem Nordwesten herbei, von Armut getrieben, um für die aufsteigenden Kautschukbarone bei der Latexgewinnung zu arbeiten. Die Erfindung des Luftreifens in den Jahren um 1880 verzehnfachte die Nachfrage. Auf der einen Seite häufte man kolossale Reichtümer an, auf der anderen Seite starben diejenigen, die im Dschungel arbeiteten. Die "Seringueiros" - Gummischneider starben wie die Fliegen, als Opfer der Malaria, der Parasiten und der unerträglichen klimatischen Bedingungen. Sie hatten täglich etwa 50km zu bewältigen, um die Rillen in die Bäume zu schneiden und den gewonnenen Saft einzusammeln. Die Waldläufer lieferten den geräucherten Kautschuk in Ballen ab, die Menge wurde mit Lebensmitteln verrechnet. Die waren jedoch so teuer, dass sich die Gummischneider immer mehr verschuldeten, während die Händler große Gewinne einfuhren. Die Stadt Manaus erlebte damals ihre größte Blüte. 1876 gelang es dem Engländer Henry Wickham, sich heimlich mehrere zehntausend Samenkörner zu verschaffen und diese in der Haut zweier ausgestopfter Krokodile nach England zu entführen. Kaum zweitausend davon überlebten die Reise; aber, in den Gewächshäusern des Königlichen Botanischen Garten in Kew bei London angepflanzt, bildeten diese den Grundstock für die ersten Gummibaumreihen in Malaysia und auf Ceylon. Dort gediehen die Pflanzen prächtig, und da die Ausbeute in einer Plantage wesentlich größer ist als bei Bäumen, die in großem Abstand wild wachsen, erreichten die asiatischen Kautschukplantagen innerhalb weniger Jahre doppelt so hohe Erträge wie die brasilianische Produktion. Versuche, Kautschukplantagen in Brasilien anzulegen, schlugen fehl. Als die asiatischen Plantagen 1910 das Produktionsniveau Amazoniens erreichten, fielen weltweit die Börsenkurse und Manaus Abstieg war nicht mehr aufzuhalten. Da sich das Gummizapfen der wild wachsenden Bäume immer weniger lohnte, verließen viele Händler Manaus. Mit der Erfindung des synthetischen Gummis in den vierziger Jahren des 20.Jh. versank die Stadt schließlich in ihren Schlaf. Copyright © brasilien.de 1999-2003 Eichstetten |
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